Am 25.Januar wird das Theaterstück „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth im Münchener Volkstheater aufgeführt. In diesem Stück geht es um das angebliche Schweigen des damaligen Papstes Pius XII. zum Massenmord an den Juden während des 3. Reiches.

Im Hinblick auf das heute nicht ganz unumstrittene Stück, gab der Regisseur Christian Stückl dem Internetportal katholisch.de ein Interview.

Auf die Frage: „Hochhuth gilt als Provokateur. Haben Sie keine Bedenken, erneut Öl ins Feuer zu gießen?“, antwortete der Regisseur: „Hochhuth hat historische Sachen, die er glaubte herausgefunden zu haben, einfließen lassen. Genau war er nicht.  Alles bleibt Fiktion. Die Figur Pius XII. ist nur das Abziehbild eines Papstes, auch die des Jesuitenpaters Ricardo hat es in der Form wahrscheinlich nicht gegeben, auch wenn sie an Maximilian Kolbe angelehnt sein soll.

Man kann so eine Geschichte auf die Bühne werfen und eine Diskussion entstehen lassen. Wir wollen versuchen, von den neuen Forschungsergebnissen etwas hinein zu nehmen. Dabei halte ich es aber mit dem Chef der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Dort ließ er ein Bild von Pius XII. mit einem kritischen Text bewusst hängen. Erst wenn die Archive zur Forschung freigegeben würden und sie zu einem anderen Urteil kämen, würde er das Bild entfernen, so seine Argumentation.“

Rolf Hochhuth Geschichte über Pius XII bringt mich zum Grübeln und gibt mir zu denken, da er mit nach Eigenaussagen mit dem britischen Publizisten David Irving befreundet ist. David Irving ist ein Historiker und hat über 30 Bücher zum Thema Zweiten Weltkrieg geschrieben. Viele Jahre galt er als exellenter Kenner der Materie. Sein Ansehen als seriöser Sachbuchautor verlor er, als er immer wieder den Massenmord an den Juden leugnete. Er wurde auch mehrfach verurteilt (München 1993, London 2000, Wien 2006). Unwillkürlich fühlt man sich hier an das Sprichwort, „sage mir wer Deine Freunde sind und ich sage Dir, wer Du bist“, erinnert.

Wie glaubwürdig die Hochhuth-Story ist, muss jeder selbst für sich entscheiden. Im vatikanischen Geheimarchiv stieß der Bestsellerautor und Historiker Michael Hesemann auf unveröffentlichte Dokumente, die eine Nähe Eugenio Pacellis zum Judentum und seinen Einsatz für die jüdischen Siedler während des 1. Weltkriegs belegen. Weitere Beweise fanden sich hier, dass Pacelli als Kardinalstaatssekretär unmittelbar nach der “Kristallnacht”, am 30. November 1938, aber auch noch einmal im Januar 1939 versuchte, 200.000 Visa für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland zu besorgen. Beide Versuche scheiterten am Unwillen der  angesprochenen Regierungen.  Nur Brasilien stellte 3000 Visa aus. Im Archiv der deutschen Nationalkirche S.Maria dell’Anima in Rom stieß Hesemann auf ein weiteres interessantes Dokument, das belegt, dass die Deportation der römischen Juden durch die SS am 16. Oktober 1943 allein auf Intervention des Papstes hin gestoppt wurde. Die 7000 Juden wurden daraufhin in römischen Klöstern und im Vatikan versteckt.

Michael Hesemann hat in sein Buch „Der Papst der Hitler trotzte“ über diese Nachforschung und Ergebnisse geschrieben. Dieses Buch bietet dem Leser eine profunde Quelle über das Denken und Handeln des Pacelli-Papstes. Insgesamt, so weißt Hesemann nach, hat Pius XII. über 800 000 Juden das Leben in Rom und Umgebung gerettet. Er war der Initiator der Enzyklika „ Mit brennender Sorge“ von 14.März.1937 und hat diese zusammen mit  dem deutschen Kardinal Faulhaber ausgearbeitet.

Schon 1929 äußerte Pacelli sich kritisch über Hitler  „Dieser Mensch ist völlig von sich selbst besessen, alles, was nicht ihm dient, verwirft er, was er sagt und schreibt, trägt den Stempel seiner Selbstsucht, dieser Mensch geht über Leichen, und tritt nieder, was ihm im Weg ist – ich kann nur nicht begreifen, dass selbst so viele von den Besten in Deutschland dies nicht sehen, oder wenigstens aus dem, was er schreibt und sagt, eine Lehre ziehen. – Wer von all diesen hat überhaupt das haarsträubende Buch ‚Mein Kampf‘ gelesen?“ So erinnert sich Schwester Pascalina, die langjährige Haushälterin des damaligen Apostolischen Nuntius in Deutschland, des Kardinalstaatssekretärs und Papstes Pius XII. in ihren Erinnerungen.

Wer sich also ein unvoreingenommenes Bild über Pius XII. machen möchte, sollte das Buch „Der Papst der Hitler trotzte – Die Wahrheit über Pius XII“ lesen.